Projekttage 2018

Am 17.-19.07.2018 fanden unsere Projekttage unter Motto „NATUR — betrachten, erleben, gestalten“ statt. Günter Hautschek hat sich seine Gedanken darüber gemacht: Lesen Sie seine Vorbemerkungen, seine Berichte und seinen dystopischen Essay „,Eyes wide open. Eyes wide shut.‘ — Eine kurze Geschichte der Natur im Zeitalter ihres Verschwindens.“ | Zurück zu den Kurzberichten.

Natur betrachten – gestalten – erleben
Bemerkungen zu den Projekttagen 2018 von Günter Hautschek

Bienen sterben, Insekten verschwinden, Wälder kränkeln. Auch Spatz und Star machen sich rar. Nur bad news von der guten alten Natur?

Und das im Zeitalter der Digitalisierung, wo sie es besonders schwer hat: Vögel zwitschern, anstatt zu twittern. Wolken, die Geschenke des Himmels, müssen für die ‚Cloud‘ ihren Namen hergeben. Bäume stehen bloß blöd rum, säuseln Unverständliches, kommen bei Selfies nicht gut und lassen sich nicht als Freunde adden. (Das war übrigens in den1960er Jahren noch anders, als die Sängerin Alexandra von ihrem „Freund, dem Baum“ und seinem Tod berichtete.)

In der Tat: dem Twitter-Gewitter, dem Nachrichten-Staccato in den sozialen Netzwerken, der gigantischen Info-Flut hat die alte Dame Natur nichts entgegenzusetzen. (Aber für bildkräftige Metaphern ist sie immer noch gut!) Natürliches ist meist leise, träge, voll megalahm, — einfach langweilig, das Anti-Event schlechthin. Also: Vergesst die Natur! Sie bringt es — außer im Katastrophenfall — einfach nicht mehr…

Dennoch hat das Schubart-Gymnasium dem Betrachten, Gestalten und Erleben von Natur drei langsame, aber überhaupt nicht langweilige Projekttage gewidmet. Und schon diese Tatsache könnte ein Hinweis sein, dass es hier etwas Wichtiges zu suchen und zu finden gibt; und sei es ‚nur‘ die (Wieder)Entdeckung der Langsamkeit.

Übrigens scheint das SG als ehemalige Parkschule, zertifiziert mit dem „Grünen Aal“ und selbst ‚im Grünen‘ verortet, ausgestattet mit den legendären ‚grünen Tüchern‘, prädestiniert für das Thema. Jedes Frühjahr machen die Rohrwang-Spechte auf sich aufmerksam, Eichhörnchen und Hasen erkunden bisweilen das Schulgelände, die alten Eichen rauschen in den Festsaal. (Vor ca. 20 Jahren verflog sich übrigens ein ganzer Bienenschwarm in die Schulbäume und wurde vom damaligen stellvertretenden Schulleiter und zugleich Hobby-Imker, Herrn Wasgien, in voller Montur mit Helm und Pfeife geborgen.)

Die Palette der Projekte In diesem Zusammenhang kann kein einzelnes Projekt detailliert betrachtet werden; hier darf auf die Eigenpräsentationen verwiesen werden. Es soll in einer unvollständigen und subjektiven Zusammenschau vielmehr gefragt werden: Was erzählen die Projekte über die Natur, unsere Beziehung zu ihr und ihre Bedeutung für uns? Haben sie eine ‚Botschaft‘- auch über das zu Ende gehende Schuljahr hinaus? Was gleich ins Auge fällt, ist die Fülle und Vielfalt der -auch überraschenden!- Themen: schon ein Hinweis auf den Reichtum, die Vielfältigkeit, ja Unerschöpflichkeit des Themas. Doch sehen wir uns ein paar Projekt-Konstellationen näher an!

Projektbericht: Zusammenhänge, elementar: Luft, Feuer, Wasser, Erde und anderes

In die Luft gehen

Mehrere Projekte verlassen den Boden des Luftmeers mit Fuß-, Jonglier- oder Volleybällen; und mit Bumerangs. Letztere, aus Schichtholz-Rohlingen aufwändig zurechtgeschmirgelt, sind beim Wurf dem Wind und der Geschicklichkeit der Werfer ausgesetzt und nehmen sich in ‚natürlichem‘ Eigensinn gern die Freiheit, eigene Wege zu fliegen, statt brav zurückzukehren: Hinweis auf die Grenzen der Machbarkeit? Quadrocopter dagegen, vierrotorige Kleinhubschrauber, müssen tun, was Maschinen tun müssen, wenn ihnen die Fernsteuerung etwas befiehlt, z.B. einen Parcours mit Hindernissen sicher und mit ‚Speed‘ zu durchfliegen. Aber ‚natürlich‘ machen die steuernden Bio-Menschen auch Fehler… Die ‚mobilen Seilbauten‘ erheben sich, 50 m vom SG entfernt, vom Erdboden bis in die Baumwipfel, aus denen die TeilnehmerInnen sicher und rasch abgeseilt werden: Nur Fliegen ist schöner!

Projektbericht „Jonglieren“: Bei unserem Projekt „Jonglieren“ haben wir das Jonglieren mit verschiedenen Jongliergeräten kennengelernt. Am meisten haben wir uns mit Tellern, Bällen, Diabolo und Pois beschäftigt. Wir haben neue Tricks mit dem Diabolo und die 3-Ball-Kaskade gelernt. Das Basteln von Jonglierbällen hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir die Idee hatten, eine größere Anzahl herzustellen, um sie beim Schulfest zu verkaufen. Außerdem haben wir eine kleine Vorführung mit Pois und eine 1-Ball-Jonglage einstudiert, die wir beim Schulfest zeigen wollen. (Frau Rau)

Jonglieren: Fr. Rau/Fr. Severin. | Quadrocopter: Fr. Möbius. | Fußball: C. Hercigonja, A. Ljatifi (8b), L. Ohan, L. Stella, L. Seidel (9b), Hr. Gelse, Hr. Eisner, Fr. Kohlmann-Münz. | Beachvolleyball: Fr. Glimschi, Fr. Esber-Trost, Fr. Trache | Mobile Seilbauten/Insektenhotel: Fr. Hertel, Hr. Barth, Fr. Kroiß

Aktion und Reaktion

Projekte mit explizit naturwissenschaftlichem Focus interessiert, was passiert, wenn Natur — durch menschliche Unterstützung — mit Natur interagiert, falls etwa Glycerin und Kaliumpermanganat sich unverhofft im Dunkeln begegnen (Feuer!); oder wie ‚hart‘ das weiche Element Wasser (das bekanntlich den harten Stein bricht) seinerseits sein kann, dem Kalk sei Undank! Dass nach Aalen eine Gesteinsschicht benannt ist, das Aalenium, verdient auch gewürdigt zu werden.

Das Kettenreaktionsprojekt inszeniert in einer gigantischen Kette von verschiedenartigsten kleinen Kettenreaktionen das große Schauspiel der mechanisch-kausalen Zusammenhänge, die große Kettenreaktion, und fragt — da ‚naturgemäß‘ nicht alles gelingt — zumindest indirekt, was passiert, wenn die Kette bricht.

Projekt „Chemische Show-Versuche“: Das, wofür im Chemie-Unterricht keine Zeit ist, konnte in „Projekt 12“ ausgelebt werden: Experimentieren, einfach nur weil es Spaß macht! Aus einem großen Fundus von Versuchen konnten die Teilnehmer (fast) nach Herzenslust auswählen. Das Projekt lehrte auch: Bei allem Spaß sind die Sicherheitsanforderungen und das oft mühselige Aufräumen nicht wegzukriegen. Ab dem zweiten Tag kamen neuartige Herausforderungen dazu. Denn für das Schulfest sollte eine präsentable kleine Show zusammengestellt werden. Da hieß es die Versuche technisch zu perfektionieren, phantasievoll und spannend zu inszenieren und den Ablauf der Vorführung gemeinsam akribisch zu planen — und dann zu proben! Da es immer noch etwas zu verbessern gibt, dauert dieser Prozess noch an — bis zum Schulfest. Dort könnt Ihr das Ergebnis dann sehen! (Ralf Franken)

Projekt „Schwäbische Alb“: Wer kann schon von sich behaupten, dass er quasi im Geopark Schwäbische Alb zu Hause ist? Wir Aalener sind es jedenfalls und so fanden sich am ersten Projekttag 11 Schülerinnen und Schüler zusammen und wanderten vom SG zum Besucherbergwerk Tiefer Stollen. Zuvor wurden die wichtigsten Grundlagen in Form des Bergbaupfads, der kurzerhand ins Schulgebäude verlegt wurde, erarbeitet. Im Tiefen Stollen erlebten die Teilnehmer eine spannende und nach der Wanderung auch erfrischende (im Stollen hat es 11° C) sowie informative Führung. Am zweiten Projekttag durften die Teilnehmer dann Experimente rund um den Kalk durchführen: Vom Testen auf Kalk über den Schutz der kalkhaltigen Zähne mit Zahnpasta bis hin zum Schaumtest für Wasserproben unterschiedlicher Härtegrade wurde fleißig pipettiert, gemischt und geschüttelt. Am Ende des Tages konnte jeder Schüler seine eigene kalkhaltige Zahnpasta herstellen. Am letzten Tag besuchten alle das Aalener Urweltmuseum, wo wir von Herrn Sauerborn fachkundig geführt wurden. Die eigens nach Aalen benannte Gesteinsschicht Aalenium wird sicherlich allen lange in Erinnerung bleiben! Dass man dort einen echten Mammutzahn, diverse Versteinerungen und auch Kristalle nicht nur sehen, sondern sogar anfassen kann, macht Vorfreude auf das SG als Geoparkschule. Zum Schluss wurden noch alle auf eine Kugel Eis eingeladen, denn so viel Durchhaltevermögen muss schließlich belohnt werden! (Markus Ladel)

Chemische Showversuche: Dr. Franken | Schwäbische Alb: Hr. Ladel, Fr. Ladel, Fr. Pfeffer | Physikalische Kettenreaktionen: Hr. Hartmann

Unsere Schule soll (noch) schöner werden

Ein Vlies zwecks besserem Fließen: Erde, Sand, Steine und die Projektteilnehmer in intensiver Bewegung — am Häcksler, am Spaten, jätend und grabend. Das Schulhofprojekt macht sich an diese anstrengende Arbeit, um im Innenhof ein Unkrautvlies zu verlegen, das das üppige Krautwachstum dämpfen und den Regenwasserabfluss verbessern soll: Kompromiss zwischen den verständlichen Wünschen der Menschen und ‚natürlicher‘ Lebendigkeit.

Das Kuddelmuddel-Projekt verschönert u.a. durch Bemalung von Stelen das Ambiente um den Teich.

Schulhof gestalten: Fr. Mielenz, Hr. Wegner | Kuddelmuddel – Leben mit und in der Natur: E. Jander, J. Zeller, A. Worm (9b), Hr. Wasmer 

Natur – Grundlage der Kunst?

Hier versuchen sich ZeichnerInnen an Naturbildern und Menschenbildern.

Naturbilder zeichnen; N. Ruoff, P. Vogel (9b) | Making us – Menschenbilder zeichnen: L. Edelmann, J. Federer (8a)

Die Naturen des Menschen

Projekte im Umfeld von Kosmetik, Ernährung, Psychologie und Medizin, auf die hier nur kurz verwiesen werden kann, gehen den Weg von der äußeren Menschennatur, dem Körper und seinen Ansprüchen als der natürlichen Grundlage von allem hin zur ‚inneren Natur‘, einst Seele genannt, mit ihrem Streben nach Glück und Wohlbefinden.

Das „Erste Hilfe“-Projekt etwa vermittelt Basis-Lektionen über lebensrettende Sofortmaßnahmen, die auch in der Schule notwendig werden können.

Mit dem Konzept, regional und saisonal, also C02-sparend zu kochen, erschließt sich den Teilnehmern nebenbei der übergreifende Verantwortungs-Rahmen, in dem wir leben: beginnend beim Pausenbrot, endend bei Klimawandel.

Naturkosmetik; A. Rasovan, H. Bechmann, N. Holstein (9b), N. Brucker, F. Henke, J. Thullner (9a) | Schönheit aus der Natur: Fr. Lichter | Seife sieden. Fr. Hermann | Ernährung: Fr. Ruoff | Regional und saisonal Kochen: Fr. Gnauert, Fr. Weber | Mittelalterliche Kloster- und Kräutermedizin: Fr. Straub, Fr. Ebert | Erste Hilfe: Ch. Vetter, Hr. Lichter | Medizin: Dr. Edelmann; Fr. Edelmann, Hr. Geißler, Fr. Proenza | Wellness für Mädchen: Fr. Kloker, Fr. Volkenandt | Dem Glück auf der Spur: Fr. Borgmeier, Fr. Schönherr

Bienen sterben leise
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24.07.2018: Bienen, Blumensamen, Honig und Wax — Teilnehmer des Bienenprojekts stellen ihre Ergebnisse vor

Eigens hervorgehoben werden soll noch das Bienen-Projekt. Es zeigt — Besuch beim Imker! — Natur von ihrer von ihrer ‚süßen‘ wie von ihrer bedrohten, schutzbedürftigen Seite (Bienensterben): nachdrücklicher Verweis auf unsere Verantwortung für das ‚lebensnotwendige‘ Naturganze. Auch für andere Insekten, die unklugerweise kaum jemand mag, sucht man bekanntlich mittlerweile dringend Hotels und Hoteliers.

Das Bienen-Projekt: Fr. J. Weber, Fr. Busch, Fr. Großmann

Vielleicht erschließt sich aus diesen knappen Eindrücken ein Aspekt, für den der Begriff Natur auch stehen könnte: wir erleben ein gigantisches Beziehungsnetz, in dem alles mit allem in Verbindung steht und miteinander kommuniziert, indem es sich ins Sein teilt: „Sein ist Teilen.“ (Andreas Weber) Ein anderes Internet?

Ein alternatives Internet? – Mögliche Schluss-Folgerungen

Wussten Sie schon? Wälder haben Internet! Immer schon, jeder Wald: Das Wood Wide Web! Weiße Pilzfäden verbinden alle Bäume, alle Sträucher. Wenn etwa eine Buche von Insekten befallen wird, „dann warnt sie die anderen und die können sich dann wappnen“ (Peter Wohlleben, Förster und Autor). Die Natur ist nicht nur ein Darwineskes Reich des ‚Kampfs ums Dasein‘, sondern auch ein natürliches soziales Netzwerk, voll von Kommunikation und Kooperation. Der Biologe Andreas Weber: „Sein ist Teilen. Teilen ist Sein.“ Weber sieht das organische Dasein von Pflanzen, Tieren und Menschen als „kontinuierliche Selbsterschaffung fühlender, wertender und Bedeutung setzender Subjekte (…) mit dem von diesem Vorgang erzeugten Vernetzungen.“

Botschaften des Anderen; oder: Das Spiel des Kosmos

Spinnen wir diesen kühnen Gedanken noch etwas weiter: Luft und Wasser können auch als Medien verstanden werden, die neben Gegenständen Informationen vor Ort zu Ort tragen; Tiere verbreiten (z.B. durch Reviermarkierung) Dinge und Daten; der Klimawandel schickt sich an, uns über Flora und Fauna anderswo zu ‚informieren‘ usf.: Naturphänomene sind in diesem Sinne Kommunikationsphänomene, Botschaften aus einer anderen Welt…- ‚Natürlich‘ werden die Signale in den naturalen Netzwerken oft sehr langsam übertragen; Bäume schaffen nur einen cm pro Sekunde. Natur hat die Zeit, die wir nicht mehr zu haben meinen.

In Zeiten des alles ergreifenden und zunehmend beherrschenden ‚Digitalismus‘ mit seinem ‚Beschleunigungstotalitarismus‘ (Hartmut Rosa) könnte man Natur als ein alternatives Beziehungsnetz verstehen, ein langsames Internet der Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen; ein potenziell unendliches Kommunikationsspiel des Seins. Es schenkt uns unsere Welt als eine Sphäre eigener Schönheit und Würde, die wir als solche achten und erhalten sollen.

„Unser Leben kann nur gedeihen, wenn wir es als gemeinsame Teilhabe an einer aus sich heraus schöpferischen Wirklichkeit erschaffen. (…) Die lebendige Wirklichkeit ist ein leidenschaftlicher Beziehungsprozess, in dem das Begehren nach Identität erst im Leuchten des Anderen eingelöst wird.“ (Andreas Weber)

Eyes wide open. — Eyes wide shut.“ — Eine kurze Geschichte der Natur im Zeitalter ihres Verschwindens

Kleiner Versuch aus Anlass der SG-Projekttage 2018 von Günter Hautschek

Prolog 2048: Smart Life; oder: Betreutes Leben

Die Menschen des Jahres 2048 leben in einer Matrix aus Daten, die ihnen sagt, was gut für sie ist. Wenn sie in ihren Smarthome aufwachen, begrüßt sie ihr digitaler Assistent und verrät ihnen, wie sie geschlafen und was sie geträumt haben und wie es ihnen geht. Denn er kennt den Blutzuckerspiegel, die Herz-Kreislauf-Daten und den Hormonzustand. Die allmorgendliche Urindiagnose erfolgt sofort durch das intelligente WC. Die altmodische Trennung nach Geschlechtern tut nichts mehr zur Sache; sie ist reine Privatangelegenheit, frei nach der Parole „Jedem sein eigenes Geschlecht!“ Nachwuchs wird künstlich je nach Bedarf hergestellt. Viele leben schon in erfüllenden Mensch-Maschine-Ehen.

Der digitale Vormund (‚Assistent‘ ist eine Untertreibung) empfiehlt den Betreuten, den optimalen Tagesablauf und besorgt schon mal die Produkte, die ihnen heute guttun werden und nach denen sie verlangen (sollten). Früchte für das Frühstück kommen in immer gleichbleibender Qualität aus dem 3 D-Drucker, Äpfel ‚natürlich‘ ohne Kerngehäuse und garantiert ohne Wurm.- Wenn wir tun, was uns die Algorithmen vorschreiben, kann unser Leben gar nicht mehr nicht gelingen. „Google, Facebook und Co. haben uns von der Diktatur der Freiheit befreit“ (Richard David Precht: „Jäger, Hirten, Kritiker“, 2018, dem ich einige Motive für den ‚Prolog‘ verdanke/htk.) und der Natur den Abschied gegeben.

Leben nach der Natur

Die (Post-Bio)Menschen leben 2048 in einer Welt ohne unmittelbare Naturerfahrung. Alles, was ihnen begegnet, kommt aus Menschen-, das Meiste (sozusagen) aus Maschinenhand. Alles, was sie sehen spiegelt den Menschen wider. Sie fühlen sich nach Jahrzehnten intensiver, oft beglückender Gerätebeziehungen näher mit dem Computer verwandt als mit anderen Tieren (oder gar Pflanzen).

Kultur und Technik sind untrennbar und ununterscheidbar ineinander verschmolzen. Die Ex-Natur ist entwertet; sie ist zu langsam und zu langweilig, zu unspektakulär, ein enttäuschendes Anti-Event; ansonsten nur für schlechte Nachrichten gut („Naturkatastrophen“). Man hat sie in Reservate wie „Disney-Nature“, eine lustige simulierte Natur, gesperrt; das muss genügen.

Keiner weiß mehr, was da war und dass ihm etwas fehlen könnte.

Betreutes Lernen: Schubart-Optimierungs-Center, 24. Juli 2048

Schülerinnen und Schüler sind in Netzwerk-Dauerkontakt mit ihren „Klassenkameraden“ (wie man früher sagte); sie sind mittels einer Gehirnsimulation (‚Smart Brain‘) in der Cloud miteinander verbunden. Ihr Hirninhalt ist gespeichert und wird regelmäßig aktualisiert; die Unsterblichkeit in Datengestalt ist erreicht.

Was Schüler noch lernen müssen, erledigen sie weitgehend zu Hause. Vokabelbüffeln z.B. ist unnötig; die kommen per Brainchip direkt unter die Schädeldecke; Hirnfit- und -schrittmacher, auch essbare, sorgen für flotte Neuronenaktivitäten. In Augen und Ohren sind Filter implantiert, die den (leider unaufhaltsamen bzw. unaufgehaltenen) Klimawandel bekämpfen, indem sie die den Blick auf eine smogtrüb gewordene Welt aufhellen, die dramatisch gestiegene Sonneneinstrahlung zumindest optisch reduzieren und lästige Geräusche (das Herumgebrülle von allerorts protestierenden Klimaflüchtlingen) ausblenden. Praktischerweise tragen die kleinen Cyborgs stylishe Antennen auf den Köpfen, über die ihnen direkt Lernstoffe und andere Signale eingegeben werden können.

Die Schule, zunächst noch Schubart-Technasium genannt, ist zu einem medizinisch-technischen Optimierungs-Center hochgerüstet worden. Für künftige Spitzensportler werden leistungsfördernde Substanzen gemixt und getestet. Bein- und Armamputationen ersetzen sogenannte ‚natürliche‘ Körperteile durch perfekte Orthesen oder Arthesen.

In die völlig papierlose Schule müssen die Beschulten nur zur Installation neuer Betriebssysteme und zu Upgrading- bzw. Downsizing-Zwecken. Sie lernen während einer kurzen Betäubungspause neue Begriffe aus dem technischen Bereich und ‚entlernen‘ alte, unbrauchbar gewordene aus den Bereichen Humaniora und Naturalia.

Heute, am 24. Juli 2048, stehen beim Fach „Vergessen und Nie-mehr-Erinnern“ folgende Wörter auf einer roten Liste: Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Heimat, Ursprünglichkeit, Geborgenheit, Kreativität, Gerechtigkeit, Wolken (‚cloud‘ genügt), Mitleid und Natur.

Stellen wir uns vor, ein etwas widerspenstiger Schüler fragt sich: Hm, „Natur – was war das denn gleich nochmal?“ Er recherchiert und findet folgendes Dokument von den SG-Projekttagen 2018.

Eine kurze Geschichte der Natur

Die Grundkonstellation: Natur und Kultur – eine notwendige Begriffsklärung

Als Natur gilt in der Tradition abendländischen Denkens alles, was nicht vom Menschen geschaffen wurde; dagegen steht begrifflich die Kultur (zu der auch die Technik zählt): alles, was dem von Absichten und Zwecken geleiteten Handeln des Menschen entstammt. Der Mensch selbst steht zwischen Natur und Kultur; er ist ein Bewohner zweier Welten. Durch seine Leiblichkeit und seine Triebstruktur Teil der Natur ist er ein Tier wie andere auch; zugleich ist er qua Geist Schöpfer der Kultur. Er lebt er in (s)einem Zwischenreich: halb Tier, halb Cyborg. (Schon Brille und Fahrrad gelten manchen als Stufen der Cyborgisierung, der Verschmelzung des Menschen mit der Technik.) Der Mensch ist das ‚Un-Tier‘ (Horstmann), das nicht ‚festgestellte Tier‘ (Nietzsche). Er ist fähig, vor seiner inneren Natur (den (Mit)Gefühlen, dem Mitleiden mit anderen Wesen) die Augen zu verschließen und „tierischer als jedes Tier“ (Goethe) zu sein.

Eyes wide open — die Welt ist schön

„Im Menschen schlägt die Natur die Augen auf.“ (So der Philosoph Schelling.) Sie staunt im Vollzug der Menschwerdung sozusagen mit weit offenen Augen über sich selbst. Im beglückten Staunen -nach Aristoteles dem Anfang der Philosophie-, im Zauber des Anfangs schafft die antike Welt den Begriff für das Wunder des Seins: Kosmos (= das Geschmückte, das Schöne), hervorgegangen aus dem Chaos (=dem Gebärenden). Dem Kosmos gebühre Bewunderung, Kontemplation und Freude über die Schönheit der Welt.

Die Welt ist machbar, Natur ist beherrschbar

Das Judenchristentum erzählt bekanntlich eine Gegengeschichte zur griechischen Kosmologie: die vom erschöpften Schöpfer, der sich sechs Tage lang „plagt“ (Goethe), danach — ziemlich narzisstisch-trumpmäßig — sich selber „Bravo!“ sagt, einen Ruhetag nehmen muss (der quasi bis heute anhält) und der Welt weitgehend ihren Lauf lässt. Vorher soll er noch dekretiert haben, dass alles gut sei (also: nicht schön, eher: o.k., nützlich und nutzbar). Nicht minder unzuverlässigen Quellen zufolge soll er verfügt haben, dass die Menschen sich die Erde untertan machen sollen, um das Beste für sich herauszuschlagen. Der theologische Grundstein für ein Programm der Naturbeherrschung (mit dem Homo sapiens freilich erst sehr viel später ernst machen konnte) war gelegt.

Gewalt in der Natur – Gewalt gegen die Natur

Angst vor den ‚Naturgewalten‘ schlägt um im Gewalt gegen die Natur.- In den zwei christlich geprägten Jahrtausenden galt Natur als Feind des Menschen. Natur war ‚gefallene Natur‘, teuflisch kontaminiert, den sterblichen Leib zur Sünde verführend wie weiland die Schlange im Garten Eden. Natur sorgte für tödliche Krankheiten und Seuchen sowie Katastrophen (wie 1755: Erdbeben samt Tsunami von Lissabon). Man müsse sie daher — so der Wissen-ist-Macht-Bacon um 1600 — wie Hexen auf die Folter spannen, nur so gebe sie ihre Geheimnisse preis. Galileo Galilei griff wenig später mathematisch zu: Alles an Natur sei messbar oder messbar zu machen, in die Sprache der Zahlen zu übersetzen — klingt schon beinahe nach der 0/1-Welt des Silicon Valley. René Descartes bestimmte um 1640 Tiere als seelenlose Maschinen. Der Status des Natürlichen als Objekt gewaltförmiger Wissenschaft/Wissensmacht und technisch-instrumentellen Gestaltungswillens wurde festgeschrieben. Man sah Natur als Ressourcenspender und Nahrungslieferanten, der erfreulicherweise keine Rechnung schrieb (oder erst später, an folgende Generationen adressiert, — also: so what!). Natur schien ohne eigenen Sinn und Zweck, bloßes Reservoir von Stoffen und Kräften, die ‚mensch‘ für seine Zwecke nutzen konnte.

In Umsetzung von Gottes, Bacons und Galileis Imperativen wurde Natur rechtlos, wertlos, bloßer Sklave des Menschen, unter- und unmenschlich; später der schleichenden Vernichtung ohne ethische Beschränkungen preisgegeben.

Wir sind der Feind — Krieg (auch) gegen die Natur

Bis tief ins 20. Jahrhundert vertraute man auf Selbstreinigungs-, Selbstheilungs- und Selbstregenerationskräfte der Natur; das erwies sich als Selbsttäuschung. Zu dieser Zeit führte die Menschheit nicht nur zwei Weltkriege gegen sich selbst, sondern auch einen Krieg gegen die Natur. Man könnte ihn — ohne den Menschenopfern der anderen großen Kriege zu nahe treten zu wollen — den Dritten Weltkrieg, einen Welt-Krieg in Permanenz, nennen. In mancherlei Hinsicht trägt das Geschehen Züge eines Vernichtungskriegs: viele Tier- und Pflanzenarten sterben tagtäglich aus, tropische Regenwälder wie Gletscher werden zerstört, die Atmosphäre vergiftet, die Balance des Klimas mittels Erderwärmung gekillt. Das haben wir getan. —

Wir haben nur eine Erde: Frieden mit der Natur?

Heute hören und lesen wir, wenn wir Augen und Ohren nicht verschließen, alle Tage vom Bienensterben, vom Insektenschwund, von dauerkranken Wäldern, vom drohenden Aussterben (bisher) ‚gewöhnlichster‘ Vogelarten. Wir erleben im trockenen Sommer 2018 (Vor?)Boten des Klimawandels usw… usf… Doch erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, eingeleitet v.a. durch den Bericht des Club of Rome 1972, begann man einzusehen, dass der Natur-Diktator Mensch auch seine eigene natürliche Grundlage zerstört. Und ab da, als es um sie selber bzw. ihre Nachkommen ging, horchten einige/wenige ein bisschen auf. Aha, der Bio-Mensch zerstörte den Bio-Menschen. Wir zerstören uns, weil wir die Biosphäre zerstören. Das ist aber doof. — Der homo (in)sapiens, nach den Philosophen Hans Jonas „Hüter des Seins“ und „Treuhänder der Schöpfung“ sein sollte, entpuppte sich als der „Hitler des Seins“, ein nekrophiles Monster, das eine ‚verbrannte Erde‘ hinterlässt. —

Gegen solche selbst- und naturzerstörerischen Tendenzen der Menschen des kapitalistischen Industrialismus trat die ökologische Bewegung an, die Natur als „Umwelt“ auffasste, als vom Menschen, wie wir ihn kennen, nicht trennbares Insgesamt des Lebendigen. Aber sollen wir die Umwelt nur retten, weil wir uns retten wollen? Die klügeren Köpfe dachten weiter. Hans Jonas, formulierte seinen (fordernden, die Menschen, wie wir sie kennengelernt haben, vielleicht überfordernden) Imperativ. Er legt uns die Bewahrung und Kultivierung der Natur als Bereich eigener Würde und eigenen Rechts, als größte Aufgabe der (doch nach Zielen suchenden) Menschheit ans Herz: „Handle so, dass die Wirkungen deines Handelns verträglich sind mit der Fortdauer des menschlichen Lebens und der Erhaltung der Vielfalt der Natur auf dieser Erde.“

Nichts ist natürlich; die künstliche Natur oder: das Regime des Artifiziellen

Man kennt das: Gefilmtes Kaminfeuer, Kunstdünger und Kunstrasen (auch bei unserem Naturprojekt den Fußballern sympathischer als echter). Aber das sind nur Kleinigkeiten.

Wir hoffen, sollte es einmal nötig werden, auf eine Zweitniere, eine Zweitleber, ein Zweitherz. Viele setzen auf eine Zweitexistenz im Datenraum, sozusagen auf Cloud 7 (so die Trans- oder Posthumanisten wie Googles Chefentwickler Ray Kurzweil). Und wir nutzen, kaum dass wir es noch bemerken, schon seit Jahrzehnten ein Zweithirn — individuell wie kollektiv, oft auch statt des Ersthirns… Gemeint ist ‚natürlich‘ der Computer, in seiner Jugendzeit noch Elektronengehirn geheißen, heute ein kalter Rechner, der uns ausrechnet. Wir sind gespannt, was die KI (Künstliche Intelligenz) im Schilde führt, die nicht nur bei Schach und Go längst die natürliche hinter sich gelassen hat.

Der Abstand zum Natürlichen wächst — ‚natürlich‘ zumal bei der jüngeren Generation. Denn wer nie Freude an Vögeln und Insekten erlebt hat, kann sie auch nicht vermissen. (Wenn jemand Schnaken nicht mag, nehme er/sie Schmetterlinge!), Für ihn ist der Ist-Zustand, in dem der Ältere den Verlust erkennt und bedauern mag, normal, ja ‚natürlich‘. (Die Sozialpsychologie sprich von „Shifting Baselines“, sich allmählich verschiebenden Grundlinien.)

Agonie des Natürlichen: Das Ende der Natur, wie wir sie kannten

Natur, so dachten Jahrtausende — und die meisten Philosophen bis in die Gegenwart — ist das, was bleibt; das, was sich nicht selbst vernichtet, aber auch nicht vernichtet oder ohne Rest in Kultur verwandelt werden kann. Mit dem Siegeszug des ‚Digitalismus‘, der digitalen ‚Weltnahme‘, ist die alte Natur zumindest tendenziell in den Bereich der Kultur übergegangen; z.B. als dekorativer Bildschirmschoner, als Kulisse für spektakuläre Fotos, als Schauplatz von Geocaching oder Pokémon-Go-Aktivtäten und mehr. Der uninteressante Rest führt ein abgehängtes Dasein, analog zur Kaste der menschlichen digital Abgehängten.

Das heißt: Nicht nur pflanzliche und tierische Arten in ihrer Vielfalt gehen zunehmend verloren, sondern ein kulturelles Erbe. Es ereignet sich die Abschaffung der Natur, wie sie Generationen und Abergenerationen kannten. Es ist ein zentrales Moment und Motiv unserer Kultur, an das wir nun Hand anlegen.

Auch die naturhafte Seite des Menschen gerät ins Visier der „Transnaturalisten“. Die Silicon-Valley-Elite arbeitet an der Überwindung der Menschen-Natur. Ray Kurzweil erwartet für 2040 durch Zusammenführung von Computer-, Medizin- und Nanotechnik einen Quantensprung in der Evolution, den er „Singularität“ nennt: der traditionell zur ‚natürlichen‘ Todesstrafe verurteilte Mensch könne dann überstiegen werden in Richtung Unsterblichkeit. —

Avancierte Spitzenforscher (und -verdiener) versuchen dergestalt, sich aus der ‚Kette der Wesen‘, dem Naturzusammenhang — wie ihn die SG-Projekttage noch einmal vorführten — loszumachen, auszusteigen; sich von der Natur, dem „Erdenrest, zu tragen peinlich“ (Goethe, Faust II), zu befreien.

Die Geschichte der Natur könnte an ein Ende gelangen, wenn es dem Menschen gelänge, sich aus ihren Schranken zu emanzipieren. Das kürzlich erst ausgerufene „Anthropozän“ (das Menschenzeitalter), das noch die Perspektive des Bio-Menschen einnimmt, könnte schon bald an sein Ende gelangen und das „Technozän(in dem sich viele schon sozusagen präventiv aufhalten) beginnen. Soll es? (Oder hat es das nicht längst?)

Echt jetzt? – oder: Die Welt im Fenster

Eine wichtige Etappe, auf der abschüssigen Bahn einer fortschreitenden Entfernung von der Natur, stellt — Sorry, liebe 90%! (Quote der bundesdeutschen Handy-User) — die flächendeckende „Smartphone-Revolution“ dar. Denn mit dem mobilen Portal in eine ganze Welt aus Daten, dem portablen Internet, ist man immer ein bisschen in der digitalen, vulgo: der unnatürlichen Welt. Das Handy gehört mittlerweile zu uns wie ein nachgewachsener ‚natürlicher‘ Körperteil. Und wir empfinden ‚echten‘ Phantomschmerz, wenn wir ohne es, quasi amputiert, unterwegs sind. —

In unserem Kontext ist das Smartphone auch eine von der ‚natürlichen‘ Umwelt, dem ganzen peinlichen Rest der Welt ablenkende ‚voluntaristische‘ Maschine: Ein Wisch führt von bad news zu etwas Lustigem; ein Fingertipp lässt die Klimaproblematik vom Bildschirm, der die Welt bedeutet, verschwinden. Ist man selbst nicht aktiv, kann man die Netzaktivitäten der anderen verfolgen. Es gibt immer Interessantes, ja Spannendes und Abgefahrenes zu sehen (oder von Groß-Twitterern wie Trump zu lesen). Gegenüber dem feinkörnig verpixelten Bildschirm sehen die Naturphänomene ganz schön alt aus (und sie sind es ja auch!). — Erst als ‚technische Bilder‘ (Vilém Flusser), als gespeicherte, werden sie echt ‚echt‘, digital real. ‚Natürlich‘ wirklich zu sein reicht einfach nicht mehr. Nur das Smartleben, das auf dem Handy stattfindende Leben ist — in einem vielleicht noch gewöhnungsbedürftigem Sinne — das wahre wirkliche echte Leben.

„Eyes wide shut“ (Stanley Kubrick) – Das Handy als metaphysischer Apparat betrachtet

Die Digitalkultur ist zweifellos die zukunftweisende Formation unsere Kultur. Hatte man Kultur traditionellerweise im Gegensatz zu Natur bestimmt, müssen wir heute umdenken. Die Digitalität braucht, konsequent zu Ende gedacht, keine Umwelt; sie ist ein System ohne Umwelt. Und Natur braucht sie schon gar nicht; — außer als Ressourcenlieferant seltener Erden, als Stromspender: hier ist und bleibt die Digitalwirtschaft ganz im Ausbeutungsmodus, den die Umweltbewegung begonnen hatte, in Frage zu stellen. Doch auf diese von uns zu verantwortende naturzerstörende Entwicklung, die wir bei jedem Blick aufs Display sehen müssten, schauen wir lieber nicht.

Vor dem technischen Bild, vor der Digitalsphäre, schlägt die Natur die Augen nieder. Der Handyholic blickt mit ‚eyes wide shut‘, mit weit geschlossenen Augen, auf seinen Bildschirm; den nimmt er wahr, um seine Augen vor dem Außerdigital-Hässlichen verschließen zu können.

Jenseits bei Lebzeiten — Die Gebärde des Auf-den-Bildschirm-Schauens

Der Smartphone-User blickt aus der Welt des lebenden Diesseits in ein technisches Jenseits. (Weshalb der Ausdruck ‚Smombies‘, also ‚Smartphone-Zombies‘, für die permanenten Lookdowner ganz treffend gewählt ist.) Dort, auf dem proteisch sich wandelnden Bildschirm, kann man alles Wissen („Allwissenheit“), Unendlichkeit, Ewigkeit, Unsterblichkeit (in Form von unbegrenzter Speicherkapazität) und euch eine unfassbare, offenbar apersonale, nichtmenschliche Macht verorten oder zumindest postulieren: Attribute, die bisher eher für göttliche Instanzen reserviert waren… Der Blick aufs Display gewährt sozusagen einen Einblick in die aktuelle Seins-Lage, die ‚Substanz-Situation‘ des Seins… – Auch wenn sich vermutlich die wenigsten dessen bewusst sind: das Handy macht in unseren Tagen das erfolgreichste Angebot auf ein ozeanisch-metaphysisches Erlebnis. Davon können die etablierten Kirchen nur träumen. Digitalität kann auch Religion.  

Und die Natur… Hatten wir fast vergessen… Kann man vergessen!? (Das fragt sich unser Schubart-Optmierungs-Center-Klient von 2048.)

Und Sie?